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Rückblick auf die Veranstaltung zum Fernbahntunnel Frankfurt am 28. Mai

Fernbahntunnel Frankfurt - auch ein kommunales Thema - 

Expertenrunde und anschließende Diskussion am 28. Mai

Veranstalter: Initiative Takt vor Tempo Rhein-Main in Kooperation mit BUND, NaturFreunde Frankfurt, GEW Stadtverband Frankfurt und Initiative Frankfurt22

Fachbeiträge:

* Hans-Jürgen Hammelmann - Initiative Frankfurt22

* Dr. Christoph Engelhardt - Physiker, Mitglied von "Bürgerbahn Denkfabrik" und Gründer des Faktencheck-Portals: Wiki-Real.org (zu Stuttgart 21 und 2. Stammstrecke München)

* Gerd Schmanke - Consultant für Mobilität und Logistik

* Wolf-Rüdiger Hansen - BUND Kreisverband Frankfurt

Rückblick auf die Veranstaltung:

"Jedes Großbauprojekt beginnt mit einer großen Lüge" So begann Dr. Christoph Engelhardt seinen Vortrag zum geplanten Fernbahntunnel Frankfurt, denn die Initiative "Takt vor Tempo" hatte am 28. Mai ins Haus Gallus eingeladen, um einen "Faktencheck" vorzunehmen.

Zu viel versprochen hatte Engelhardt nicht, denn die Behauptungen der DB, die angeblich für das Tunnelprojekt sprechen, wurden an diesem Abend vor ca. 80 Besucher:innen eine nach der anderen widerlegt: Der Frankfurter Hauptbahnhof sei an seiner Kapazitätsgrenze, der Tunnel sei für den Deutschlandtakt nötig, die Sicherheit sei gewährleistet, das Grundwasser werde nicht beeinträchtigt, die Frankfurter Bevölkerung werde unter dem Bau nicht leiden genauso wenig wie die Umwelt, man baue klimaneutral, man gestalte die Verkehrswende und das Ganze habe ein gutes Nutzen-Kosten-Verhältnis: nicht eine einzige dieser Behauptungen hält dem Faktencheck stand, den die Initiative sachkundig und nachvollziehbar präsentierte.

Warum werden am  Kopfbahnhof Zürich mit 16 Gleisen mehr als doppelt so viele Züge am Tag abgefertigt als in Frankfurt mit 25 Gleisen? Warum fährt in Zürich von einem Gleis alle 9 Minuten ein Zug ab, von Frankfurt nur alle 57 Minuten? Warum gibt es in Frankfurt Gleise, die den ganzen Tag über nicht genutzt werden? Könnte die Ursache darin liegen, dass die Betriebsleitzentrale der Bahn aus dem Stellwerk im Bahnhof ausgelagert wurde ins Gallusviertel, wo nur noch DREI Personen arbeiten, die den gesamten Nah- und Fernverkehr sowie den S-Bahn-Verkehr steuern? Und dass vor dem Hauptbahnhof Weichen und Schienen abgebaut wurden, so dass Züge sich kreuzen müssen und dadurch Wartezeiten beim Ein- und Ausfahren entstehen? Ist es also ein Organisationsproblem und nicht das eines zu kleinen Bahnhofs?

Und wenn der Tunnel für den Deutschlandtakt nötig ist, warum sagt die Bahn dann selbst, dass Frankfurt kein Takt-Knoten mehr sein wird? Könnte es sein, dass die Wege durch aus dem tief liegenden Tunnel nach oben zu den Nahverkehrszügen so weit sind, dass Umsteigeverbindungen nicht garantiert werden und Reisezeiten dadurch verlängert werden? Wem nutzt also der Tunnel, der ja 8 Minuten (!) Zeitersparnis bringen soll? Höchstens den Durchreisenden, aber nicht der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet, die auf den Regionalverkehr angewiesen ist!

Wie sieht es mit den Notausgängen im Falle eines Brandes im Tunnel aus? Da der Tunnel den Main von West nach Ost unterlaufen soll, werden im Naherholungsgebiet "Nizza" am Main alle 50 Meter Notausgänge gebaut. Baustellen also in einer der beliebtesten Freizeitzone Frankfurts, für wie viele Jahre? Die Evakuierungszeit im Falle eines Brandes liegt nach der gegenwärtigen Planung bei 60 (!) Minuten, sie soll aber noch verkürzt werden. (Stuttgart 21 lässt grüßen, denn hier klagten Menschen wegen des mangelhaften Brandschutzes. Das Gericht befand, sie seien nicht klageberechtigt, und damit war das Thema vom Tisch, denn das Eisenbahnbundesamt weigert sich, Brandschutzberichte herauszugeben.)

Was ist mit dem Grundwasser? An 150 Stellen soll probegebohrt werden, für 240.000 Euro pro Bohrung. Was könnte man mit diesem Geld alles anfangen? Neue Gleise legen, Weichen erneuern, Personal zur Wartung einstellen, Busse für den Nahverkehr kaufen... Für den Ausbau des Tunnels für die U5 wird im Gallusviertel permanent Grundwasser abgepumpt (die Rohre am Güterplatz sind gut sichtbar): wertvolles Grundwasser, das einfach in den Main abgeleitet wird. So wird es beim Bau des Fernbahntunnels weitergehen, er soll, wie schon berichtet, unter dem Main entlangführen. Und das in Zeiten zunehmender Wasserknappheit.

So gehen wir für die nächsten 20 (30?) Jahre einer Großbaustelle in Frankfurt entgegen. Im Hauptbahnhof sollen vier Gleise während der Bauzeit stillgelegt werden, die Straßenbahn an der Südseite weicht der Baustelle. Auswirkungen auf die arbeitende Bevölkerung und vor allem Pendler? Verlängerung der Wege zur Arbeit, Verspätungen werden von der Arbeitszeit abgezogen, Menschen steigen wieder aufs Auto um, der A5-Ausbau gewinnt an Akzeptanz.

Die Behauptung, es werde klimaneutraler Beton und Stahl verwendet, fällt unter das Kapitel "Greenwashing". Denn in größeren Mengen gibt es diese in absehbarer Zeit nicht. Stattdessen wird die Bahn, wie sie es beim Strom, der mit Braunkohle produziert wird, schon tut, Klimazertifikate kaufen und sich dann als Klimaschützer präsentieren.

Um die Verkehrswende kostengünstig und schnell hinzubekommen, sprich, um den Nahverkehr rund um Frankfurt zu verbessern, was die Menschen aus den Autos holen könnte, gibt es seit Jahren oberirdische Pläne, die nur zum Teil umgesetzt werden und deren Reste dem Großprojekt zum Opfer fallen werden. Es ist wie immer: dafür gibt es keine Interessenten, im Gegensatz zu denjenigen, die sich aus dem Tunnelbau exorbitante Profite und Ruhm versprechen.

Denn das Ganze rechnet sich vor allem für die Ingenieure und Bauunternehmer. Für die Allgemeinheit gilt die Devise: "unterbewertete Kosten, überbewerteter Nutzen". Fragt man in den Veranstaltungen der DB danach, erhält man keine Antwort. Auch die Politiker:innen wollen es lieber nicht wissen, weil sie fürchten, nachher die Vervier- / Verfünffachung der Kosten um die Ohren gehauen zu bekommen.

Dr. Engelhardt appelliert: Verlasst Euch nicht auf die Autoritäten! Verlangt Auskunft! Denkt mit! Bringt Euch ein! Besteht auf einer nüchternen Analyse der Fakten und der Alternativen! Unterschreibt gegen den Tunnel, informiert Freunde und Bekannte, sammelt Unterschriften! Die Unterschriftenlisten und die Möglichkeit der on-line-Unterschrift sowie eine Fülle weiterer Informationen findet Ihr unter  https://tvt-rm.net

Der Dank geht an Gerd Schmanke, Dr. Christoph Engelhardt und Hans-Jürgen Hammelmann sowie an  Herbert Storn und Karl-Heinz Peil, alles Menschen, die in unermüdlicher Kleinarbeit Informationen sammeln und sie auf der Homepage sowie bei Veranstaltungen dieser Art (und es wird noch mehr davon geben!) für die Öffentlichkeit verständlich aufbereiten.

Marianne Friemelt

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