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NaturFreunde Frankfurt
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Personalie: Rosemarie Reh – Stolpersteine für die Salomons

Rosi ist mit ihrem Mann Ede seit 2011 bei den NaturFreunden Frankfurt. Sie ist eine der stillen Aktiven. Man muss schon zweimal nachfragen, um von ihrem Engagement etwas mitzubekommen, doch dann sprudelt es aus ihr heraus.
Eingetreten bei den NaturFreunden ist Rosi, als sie begann regelmäßig mit Ede und ihrem Enkel Jasper zum Musiksommer am Üderseee zu kommen. Dorthin kommt inzwischen die ganze Familie ihrer Tochter mit Mann und neben Jasper zwei Töchtern. Eine sehr musikalische Familie, die sich dort aktiv und kreativ einbringt.
Doch das ist nicht Rosi einzige Aktivität, auch im Rhein-Main-Chor singt sie seither mit und hat auch dahin Freunde mitgebracht. Darüber hinaus treffen wir uns fast jährlich in der Ramsau zum Langlauf und verbringen auch dort eine entspannte und trotzdem angeregte Zeit miteinander. Viele tiefgreifende Gespräche haben uns sehr miteinander verbunden und offenbarten ihre klare soziale Einstellung.

Mit der Stolperstein-Paten­schaft will ich ein Zeichen gegen das Vergessen, Hass und Menschenfeindlichkeit setzen!“ (Rosi Reh)

Da Rosi seit 7 Jahren im Ruhestand ist, sich von den Anstrengungen ihres Berufes als Leiterin einer sozialpädagogischen Einrichtung für Mutter und Kind erholt hat, suchte sie wieder eine neue Herausfor­de­rung. Auf meine Frage hin, weshalb sie denn in letzter Zeit so selten zum Chor komme, erzählte Rosi mir dann von ihrem Stolperstein-Vorhaben.
Zunächst wollte sie eine Stolperstein-Patenschaft für Kinder übernehmen. Als man bei der Stolpersteininitiative Rosis Adresse erfuhr, stellte sich heraus, dass genau in dem Haus, in dem Rosi und Ede seit zehn Jahren wohnen, eine jüdische Familie gelebt hatte, die der Verfolgung des Nazire­gimes zum Opfer gefallen war: Mina und Arnold Salomons mit ihren Kindern Hanna und Dagobert.
Da war es für Rosi eine Herzensangelegenheit, dass für diese vier Menschen Stolpersteine vor ihrem Haus in der Bornheimer May-Siedlung verlegt werden sollen.
Nun begann erst die eigentliche Recherchearbeit. Denn sie stellte sich eine würdige Gedenkzeremonie vor. Mina Salomons wurde in der Heilanstalt Herborn, Arnold und Tochter Hanna im KZ Auschwitz umgebracht. Nur der Sohn Dagobert konnte mit 18 Jahren nach Kolumbien fliehen. Rosi begann welt­weit nach Nachkommen zu forschen. Sie fand schließlich überraschend in Darmstadt die Enkelin Astrid mit ihrer Familie und in der Slowakei deren Bruder Lorenzo. Die Enkel waren sehr berührt, dass „Fremde“ zum ersten Mal etwas für ihre Familie tun wollten. Mit ihnen trafen sich Rosi und Ede, um die Stolpersteingedenkfeier nun gemeinsam und sehr persönlich zu gestalten, was sie alle sehr tief bewegte. Die Nachbarn in der May-Siedlung wurden durch Handzettel und persönliche Ansprache informiert und eingeladen.
Am 19. Mai 2018 war es soweit. An diesem Samstag wurden der Familie Salomons gedacht. (Die FR kündigte am 18.5.2018 in der Stadtausgabe diese Gedenkzeremonie an).
Die jüngeren Nachbarn nahmen gerne teil, einige erkundigten sich nach einer Patenschaft, einige wenige waren skeptisch und zeigten Unverständnis. Dafür haben Bewohner*innen eines Altenheims in der Nähe bedauert, dass sie erst im Nachhinein aus der Zeitung von der Zeremonie erfahren hätten, sie wären gerne gekommen.
Freudig überrascht waren Rosi und Ede, dass etwa 100 Personen an der Gedenkfeier teilgenommen haben. Die ergreifenden Reden der Familie Salomons und Musikbeiträge von Rosis und Edes Familie, sowie Lutz Eichhorn und einem befreundeten Chor bildeten eine würdige und ergreifende Gedenkzeit!

Es kann sich jede/r bei der Stolpersteininitiative melden, um die Patenschaft für eine Verlegung zu übernehmen. Stolpersteine werden für alle Verfolgten des Naziregimes verlegt, auch für einige NaturFreunde. Jedes Gedenken ist gerade heute wertvoll.
Für Rosi und Ede war dies eine wichtiges Zeichen gegen das Vergessen, Hass und Menschenfeindlichkeit.
Dir, Rosi und auch Ede, danken wir jedenfalls sehr für dieses Engagement im Sinne der NaturFreunde!

Claudia Lenius