Presseartikel der FNP zum Neujahrsempfang am 5.2.2012
Die Natur lieben lernen (fnp vom 4.2.2012)
Ortsgruppe Frankfurt der Naturfreunde feiert am Sonntag ihr 100-jähriges Bestehen
Die Naturfreunde Frankfurt werden in diesem Jahr 100 Jahre alt. Neben Aktivitäten für Jung und
Alt in der Natur ist der Verein seit seiner Gründung auch eng mit der Frankfurter und der
deutschen Geschichte verbunden. Morgen begehen die Naturfreunde das Jubiläum mit einem
Neujahrsempfang.
Von Benjamin Kilb
Natur pur: Die besten Freundinnen Sarah (8, links ) und Kiara (7) schauen in
einer mit Stroh ausgelegten Holzkiste im Garten des Niederräder Naturfreunde-
Stadthauses, ob die Insekten schon Eier gelegt haben. Foto: Benjamin Kilb
Niederrad. "Mal schauen, ob die Insekten schon Eier gelegt haben", denken sich die besten Freundinnen Kiara (7) und Sarah (8) und öffnen eine mit Stroh
ausgelegte Holzkiste im Garten des Niederräder Naturfreunde-Stadthauses. Auf der Unterseite des Deckels zeigt sich in Form kleiner schwarzer Kügelchen der
Insektennachwuchs. Seit Jahrzehnten sorgen die Naturfreunde für frühen Kontakt zwischen Stadtkindern und Natur. Doch der Verein unternimmt weit mehr: Mitglieder sind
politisch tätig, zeigen in abgeschiedenen Hütten urtümliche Lebensweisen und leben sanften Tourismus
vor.
Politisch aktiv
Naturfreunde-Vorstand Maria Dämkes trat dem Verein vor 17 Jahren bei. Ihre Kinder engagierten sich mit
Leidenschaft in der Jugendabteilung der Naturfreunde. Auch überzeugte die Gewerkschafterin die
Mischung aus Freizeitaktivitäten und Einsatz für die Arbeiterbewegung. "Bis dahin war mir nicht klar,
dass der Verein auch politisch aktiv ist", so Maria Dämkes.
Politische Frühschoppen stehen auf dem Programm, Teilnahmen an Ostermärschen oder Demonstrationen
am 1. Mai. Nicht selten stöhnt das Umweltamt, wenn die Naturfreunde ihre Teilnahme an Radtouren
durch den Frankfurter Grüngürtel wieder mal politisch färben. Doch die Mitglieder können auch anders
und bieten Ferienspiele und Sommerfreizeiten für Kinder und Jugendliche, Wanderungen, Wintersport,
Bergsteigen und Stadtgänge für die Erwachsenen. Auf Senioren wartet ein Angebot aus
Musiknachmittagen, Busfahrten und einem Seniorencafé. Ihr Niederräder Haus am Poloplatz 15, direkt
am Frankfurter Grüngürtel, liefert den Naturfreunden Raum für allerlei Veranstaltungen und eine
urwüchsige Außenanlage mit einem Kletterparcours für die Kleinen. Dort wird am Sonntag um 11 Uhr
auch der Neujahrsempfang zum 100-jährigen Bestehen stattfinden. Das Grundstück liegt allerdings direkt
unterhalb der Einflugschneise des Flughafens, was die Politik bei den Naturfreunden dann doch wieder in den
Vordergrund rückt. "Wir sind schon immer gegen den Ausbau des Flughafens und ganz zentral in den
Bürgerinitiativen beteiligt. Wir sehen uns nicht nur als Betroffene, sondern positionieren uns auch politisch
gegen den Ausbau", so Vereinsvorstand Elke Lambrecht.
Weniger von Fluglärm belastet ist die Gegend um Brombach im Taunus, wo die Naturfreunde Frankfurt
seit 97 Jahren eine großzügige Selbstversorgerhütte betreiben. Geöffnet von März bis Oktober, bietet sie
29 Betten und einen Raum für 35 Personen. Auch im Gallus sind die Naturfreunde vertreten. Derzeit plant
der Verein, das dortige Grundstück in der Herxheimer Straße über einen Erbpachvertrag von der Stadt
Frankfurt zu kaufen.
"Mittelalter" fehlt
Was den Naturfreunden neben dem Fluglärm zu schaffen macht, ist die geringe Anzahl von Mitgliedern
zwischen 20 und 40 Jahren. "An Kindern und engagierten Jugendlichen herrscht kein Mangel, alte
Mitglieder halten der Ortsgruppe seit Jahrzehnten die Treue", erklärt Dämkes. Doch es fehlten Menschen
jener Altersklasse, die einmal die Geschicke des Vereins führen sollen.
Artikel vom 03. Februar 2012, 23.40 Uhr (letzte Änderung 04. Februar 2012, 04.39 Uhr)
Ein Jahrhundert im Rückblick
Niederrad. Gegründet wurden die Naturfreunde 1895 in Wien. Ziel war es, über naturnahe Aktivitäten
Arbeiter für Wald und Wiesen zu begeistern und aus den Kneipen zu holen. Mit der gleichen Absicht
wurde auch die Ortsgruppe Frankfurt im Jahr 1912 ins Leben gerufen und bot Städtern Ski- und
Wandertouren.
Im Jahr 1915 weihte die Ortsgruppe ihre erste Hütte bei Brombach im Taunus ein, die heute noch existiert.
Großer Zulauf sorgte dafür, dass in den Stadtteilen einzelne Gruppen aus 150 bis 200 Menschen
entstanden. 1930 bauten die Naturfreunde eine weitere Hütte in Niederreifenberg. Nach dem Verbot durch
die Nazis wurde die Ortsgruppe Frankfurt der Naturfreunde im Jahr 1950 ein zweites Mal gegründet. Acht
Jahre später errichtete sie ihr heutiges Domizil in Niederrad, größtenteils in Eigenleistung. Die
Klinkersteine für den Bau, vom abgerissenen Schlachthof stammend, wurden teilweise in Rucksäcken von
Mitgliedern herbeigeschafft. Kurz darauf folgte der Bau des Stadthauses im Gallusviertel. Damals zählte
die Ortsgruppe rund 2000 Mitglieder, Rekord für die Frankfurter Naturfreunde.
Der Hauptsitz der Naturfreunde ist seit der Gründung Wien. Allein in Deutschland zählt der Verein rund
100 000 Mitglieder, aufgeteilt in 750 Ortsgruppen und auf über 500 Häuser. Die Ortsgruppe Frankfurt hat
rund 800 Mitglieder. Neben dem Neujahrsempfang zählen der Naturfreunde-Tag und das Apfelfest am 9.
September sowie die akademische Feier am 6. Oktober zu den Höhepunkten im Jubiläumsjahr. Zudem
veranstaltet der Verein wie jedes Jahr seine Maifeier am 1. Mai und nimmt teil an der Parade der Kulturen
des Stadtjugendrings am 23. Juni. Informationen über die Naturfreunde Frankfurt gibt‘s unter
www.naturfreunde-ffm.de im Internet. bki (bki)
Artikel vom 03. Februar 2012, 23.40 Uhr (letzte Änderung 04. Februar 2012, 04.39 Uhr)